Da ich jede Woche die verschiedensten Schülergeigen und ihre Reaktionen auf die Jahreszeiten sehe (und höre), möchte ich ganz schnell ein paar Infos teilen:
Schwanken die Temperaturen, schwankt auch die Stimmung der Instrumente. Wird es kälter, werden sie tiefer, wird es wärmer, werden sie höher. Warum? Weil das Holz “arbeitet”. Es reagiert sehr sensibel auf Temperaturwechsel, deshalb sind folgende Punkte wichtig:
* nie ein Instrument im kalten Auto länger liegen lassen, alle Orte unter Zimmertemperatur sind keine geeigneten Aufenthaltsorte für ihre Geige
* Instrumente auf keinen Fall vor eine Heizung (oder andere Wärmequelle) legen
* starke Temperatur oder Luftfeuchtigkeitswechsel vermeiden – ein guter Geigenkasten kann kurzzeitig Isolieren, aber nur kurzzeitig. Für einfachere Kästen, gibt es gepolsterte Schutzhüllen. Bitte nicht die Geige im Kasten in dicke Tücher wickeln! Der Kasten ist genau auf die Maße der Geige bemessen. Packt man mehr in den Kasten als vorgesehen, dann kann es passieren, dass beim Schließen des Kastens Druck auf die Geige ausgeübt wird – blos nicht! So ein Kasten gestattet maximal ein hauchzartes Seidentuch, mehr nicht.
Was aber tun, wenn die Geige trotzdem “beleidigt” aufs Wetter reagiert? Gerne lockern sich die Wirbel und die Saiten hängen locker am Instrument. Das ist kein Grund zur Sorge. Gutgängige Wirbel lassen sich leicht wieder reindrehen, so kann man die Saiten leicht wieder spannen. Einfach beim Drehen den Wirbel etwas gegen den Wirbelkasten drücken. So verhindert man, dass er gleich wieder zurückspringt. Die Wirbel “gehen” nicht “gut”? Auch kein Problem! Dann kann man sie etwas mit Wirbelseife einreiben und so die Reibung zwischen Wirbel und Wirbelloch optimieren. Was “Wirbelseife” ist? Was genau da drin ist, kann ich auch nicht sagen, sie sorgt aber für das Richtige Verhältnis zwischen Leichtgängigkeit und Halt. Früher hat man mit normaler Hartseife und Kreide experimentiert. Die richtige Mischung bringt das gleiche Resultat: Seife macht leichtgängiger, Kreide verstärkt den halt.
Und dann gibt es noch den Bogen. In der Regel, merke ich am Bogen nicht, was für ein Wetter draußen ist. Dennoch kann es hin und wieder vorkommen, dass sich ein paar Bogenhaare lockern. Das ist kein Problem und gehört zu den normalen Verschleißerscheinungen. Bei guten Bezügen kommt das seltener vor, aber verhindern kann man es nicht. Auch dass Haare reißen ist nicht schlimm, sollten zu viele Haare verschlissen sein, wird der Bezug gewechselt. Wenn man also ein lose hängendes Haar am Bogen findet, dann einfach mit einer kleinen Schere abschneiden. Das Abreißen der Haare ist nicht zu empfehlen, da sich dadurch weitere Haare lockern können.
Wann muss die Geige “zum Arzt”? Besonders in der kalten Jahreszeit kommt es ab und an zu Rissen im Holz. Diese sollten unbedingt von einem Geigenbauer in Augenschein genommen und behoben werden, damit sie nicht langfristig die Qualität des Instrumentes mindern. Manchmal ist es in soeinem Fall empfehlenswert, von mehreren Geigenbauern einen Kostenvoranschlag machen zu lassen, da die Preisspanne sehr variieren kann. Am besten kennt Ihr Instrument der Geigenbauer, der es gebaut hat.
