Ein Pianist der im Programmheft des Jazzforum Bayreuth als “wild, witzig und visionär” angekündigt wurde, konnte meine Ohren leider weder durch “grenzenlose Technik” noch durch “untrüglichen Geschmack” überzeugen.
Jedem Radio-PSR-Hörer ist der gängige Popschlager-Aufbau bekannt: Ein Reffrain, so oft wiederholt, dass man ihn auch im Vollrausch noch mitjolen kann, dazwischen diffuser Füllstoff, gestützt von maximal 3 Harmonieakkorden – es soll schließlich niemand verunsichert werden. Von diesem Blickwinkel aus betrachtet, sind vereinzelt eingestreute rhythmische Verschiebungen und ein blaues Hemd sicherlich “wild und visionär”. Wer sich allerdings etwas genauer mit Musik beschäftigt, der ahnt, dass sowohl das Klavier als auch der Jazz und erst Recht “der Jazz auf dem Klavier” mehr zu bieten haben!
Vermisst habe ich vor allem Abwechslung. Der Aufbau der meisten Stücke war sehr ähnlich: in der linken Hand ein paar selten wechselnde Akkorde, in der rechten Hand wahlweise ein paar Tonwolken, sich wiederholende auf-oder absteigende Tonleitern. All paar Minuten eine möglichst einprägsame Melodie – die dann leider meist kaum variiert so oft wiederholt wurde, dass es mich stark an Radioschlager erinnerte. Die häufigen Wiederholungen und die überschaubar eingesetzten harmonischen und rhythmischen Mittel haben mich stellenweise mehr an Minimalmusik als an Jazz erinnert. Irgendwie wurde ich das ganze Konzert über das Gefühl nicht los, dass Herr Rantal mehr auf breitenwirksame Effekte als auf individuelle musikalische Entwicklung mit Eigenleben gesetzt hat.
Wer einfach einen Abend mit Klaviermusik haben wollte, wurde sicherlich nicht enttäuscht, aber wer der Ankündigung nach ein ideenreiches und individuelles Programm erwartet hat, ist wahrscheinlich wie ich mit einem faden Gefühl nach Hause gegangen.
Auf magische Momente habe ich am 31.1.2013 im Kammermusiksaal von Steingraeber & Söhne leider vergeblich gewartet. Über etwas mehr Phantasie und Wagemut (man bedenke, ein Flügel hat 88 Tasten auf denen man viel unternehmen kann!) hätte ich mich sehr gefreut.
Fazit: Schade!